Rezensionen


"Die Schattenkomponistin" in der Trierer Tuchfabrik

(mö) Neutraler Kunstgenuß - nein. Aber für alle, die über Fanny Hensel, Felix Mendelssohns hochbegabte Schwester, mehr als lexikalisches Wissen erfahren wollen, ist die "Schattenkomponistin" ein Gewinn. Claudia Dyllas Theaterszenen machen den trockenen Stoff der Biographie anschaulich. Die biedermeierlichen Kostüme (Sacha Wagner), die gutbürgerlichen Gesten, eine stilisierte Sprache, die bis in den Wortlaut hinein aus zeitgenössischen Texten entnommen wurde: Fannys Welt ist abgezirkelt und auf den Erhalt der bürgerlichen Existenz fixiert. Nichts für eine Künstlerin, die Jüdin ist und dazu noch Frau. So verliert das Thema "Frau in der Musik" sein Abstraktes. So wird verständlich, warum jemand wie Fanny Hensel seine Begabung nicht ausleben kann, warum sie als Komponistin und Pianistin halb freiwillig, halb gezwungen auf die Künstlerkarriere verzichtet. All das erzählt das Stück ohne Larmoyanz, ohne Anklagen, ohne Apologetik. Auch die Akteure - Anha Weichert, Marie-Theres Gläser, Peter Baltes, Claudia Dylla, Sacha Wagner, Ralph Zedler und Roland Jetschmanegg - lassen sich nicht auf hochtönende Theatralik ein, sondern spielen ihre Rollen schlicht und doch plastisch.

Und dazu Fannys Lieder - Claudia Dylla singt sie zu Ralph Zedlers Klavierbegleitung. In ihnen kehrt wieder, was sich auch in Worten und Gesten niederschlägt: der Konflikt von visionärer Künstlerphantasie und bürglicher Gediegenenheit. Sie spiegeln das Potential, das diese bedeutende Frau zum Komponieren beflügelte und zugleich die gesellschaftliche Konvention, die den persönlichen Ausdruck lenkt, eingrenzt und manchmal sogar unmöglich macht. Szenen, Zitate und Musik runden sich zu einem geschlossenen Frauenporträt.

Trierischer Volksfreund


Matthus\' "Cornet"

Erstaunlich vor allem die klare Artikulation, die feine stimmmliche Schattierung und sensible mimische Präsenz von Claudia Dylla-Neumann als schmächtiger, empfindsamer und introvertierter Cornet ...

Von Nervosität, die bei einem Gastspiel auf fremder Bühne sonst kaum zu vermeiden ist, diesmal keine Spur. Groß in Form der Cornet von Claudia Dylla-Neumann die hier wohl ihre "Glanzpartie" gefunden hat.

Freie Presse Chemnitz


Mozarts Oper "Die Hochzeit des Figaro"

... und das Briefduett mit Susanne in ihrer zweiten großen Hosenrolle (nach dem "Cornet") entzückt Claudia Dylla-Neumann als Cherubin - ein smarter Jüngling voller Grazie und Beweglichkeit (amüsant das Versteckspiel im 1. Akt!), gesanglich variabel, verhalten vorbereitet der leidenschaftliche Ausbruch "Ach, ich weiß ja nicht mehr ...".

Freie Presse Chemnitz


Dostals "Clivia"

In Dresden sind nicht nur sehr gute Fußballer zu Hause, sondern auch talentierte Nachwuchskäfte, so die Sängerin der Titelpartie, Claudia Dylla-Neumann vom Opernstudio der Elbestadt, ...

Mitteldeutsche Zeitung


Bernsteins Musical "Westside Story"

Und eine für alle: Claudia Dylla als temperamentvolle, stimmlich höchst bewegliche puertorikanische Maria. Das ausverkaufte Haus war hell begeistert.

Eine mädchenhafte Maria mit jugendlich schlankem Sopran war Claudia Dylla ...

Schweriner Volkszeitung

 

Francois Villon - Lästermaul und Ehrenmann

Namedy: Frivol, liederlich und lyrisch genial, gestatten Francois Villon! Claudia Dylla spielte im Rittersaal der Burg Namedy einen Dichter mit Charakter. Sie lief an diesem Abend zur schauspielerischen Glanzleistung auf, als sie in die Rolle des charismatischen Lebemanns und des Dichters schlüpfte. Bissig und turbulent, zotig - Villon war ein Mensch, der mit den Konventionen brach. Seine spitze Feder machte nicht halt vor Kirchenvätern und Fürsten und benannte deren Doppelmoral. Frech und unangepasst schmiedete er seine Verse. Villon war ein Tausendsassa und ein Taugenichts in einer Person. Sein Leben - ein Ritt auf der Rasierklinge. Wegen Wirtshausschlägereien, Diebstählen und anderer Vergehen fristete er sein Dasein des Öfteren in einer feuchten Kerkerzelle.
Hermann Neu komponierte zu den Szenen eine kongeniale Bühnenmusik. Seine Musik tauchte den Rittersaal in eine nahezu mythische Sphäre. Neu offerierte einen ungewöhnlichen stimmungsvollen Zugang zur Musik. Mit buddhistischen Klangschalen und Trommeln, elektronischen Klangströmen und einer Akustik - Violine begleitete er die Schauspielerin. In der "Ballade von den schönen Frauen von Paris" setzten die beiden der unvergleichlicher Schönheit des Textes ein Denkmal:
Villon erging sich in Diffamierungen und Anschuldigungen, verschwieg aber nicht, dass auch er ein Sünder war. Nichts lässt er aus.Besonders eindringlich: "Die Ballade von der Klempnerfrau" die das Leid und die Armut der Witwen beschreibt. Claudia Dylla interpretiert sie ernst, aber mit komischen, ja skurrilen Zügen. Das menschliche Leid, präsent, unausweichlich, in dieser Produktion erweist es sich als ertragbar in der heiteren Reflektion.
Zart, mit fragiler Diktion folgt die "Marienballade". Stimmgewaltig und brutal dagegen die " Lästerzungen", dann die "Ballade von der Mäusefrau, die in der Zelle Junge bekam" mit unvergleichlich subtiler Transparenz. Claudia Dylla bewies ihr schauspielerisches Talent in turbulentem szenischen Wechselspiel, ein Bad widerstreitender Gefühle. und präsentierte den begeisterten Zuhörern ein wahres Maskenspiel. Gestisch und mimisch eine Meisterleistung: Villon, einen Brief an seinen Landesvater schreibend, Villon, als er in Kerkermauern fristet und sich an eine Onyxsäule schmiegt. Villon, als er im Wahn sein Ende beschwört. Claudia Dylla schöpft die räumlichen Gegebenheiten gründlich aus. Stieg auf die Empore des Rittersaals, sprang auf Seitenportale oder drapierte sich an eine Onyxsäule, wenn der Dichter darüber philosophiert, welcher Text auf seinem Grabstein stehen soll. Francois Villon, das Lästermaul, der Ehrenmann, der Verbrecher - tausende Epitheta wären diesem Mann trefflich zu eigen gewesen - Claudia Dylla und Hermann Neu ließen dessen bewegtes Leben, dessen zynische Poesie auf Burg Namedy polyphon erklingen. Ein gelungenes Gastspiel!

Andernach aktuell