Nicola Vaccai

Verehrte Freunde der Musik und des Theaters,

kein Mensch kann nicht singen, es sei denn, er ist verletzt oder krank. Entscheidend ist der Muskelaufbau des Kehlkopfes und die Koordination aller an der Phonation beteiligten Vorgänge in Körper, Seele und Geist. Wir sind sozusagen ein biologisches Instrument. Dies gilt sowohl für Sänger, als auch für Schauspieler. In beiden Fällen haben wir es mit Metrum, Rhythmus und Melodie zu tun.

Insofern ist Nicola Vaccai ein Name, der jedem Gesangs- und Schauspielstudenten geläufig sein sollte. Geboren in Tolentino, komponierte und lehrte er in Neapel, Venedig, Triest, Mailand, Wien, Paris und London und schrieb ein methodisches Unterrichtswerk von bis in unsere Zeit reichender Bedeutung. In einprägsamen Miniaturarien werden Schüler mit den wachsenden Anforderungen der Gesangsausbildung vertraut gemacht und sanft zu Höchstleistungen geführt.

Es ist irrelevant, ob der Schüler Klassik, Jazz, Musical oder Pop singen will, ob er zeitgenössische Gedichte rezitiert oder Shakespeares Werke.

Auf der Grundlage der italienischen Schule kann die Stimme in jedem Genre langfristig und vielfältig eingesetzt werden und bleibt unanfällig. Der Lernende erwirbt eine solide und umfassende Basis. Es gibt nicht den Jazzkehlkopf, oder den Opernkehlkopf. Das Instrument ist die menschliche Stimme, die man zunächst technisch gewandt, anschließend dann stilsicher einzusetzen lernt.

Der Lehrer benötigt dafür eine Menge Zeit - der Schüler Geduld.

Und wie heißt es doch so schön? Die Wiege des Gesangs steht in Italien. Nicola Vaccai's »metodo pratico di canto« ist dafür ein klangvolles Zeugnis!

C.D.

Nicola Vaccai (1790-1848)